3 Dinge, die bei Übersetzung zwischen Deutsch und Englisch zu beachten sind

1.       Geschlechtskennzeichnung von Nomen

Es ist weitestgehend bekannt, dass die deutsche Sprache jedem Nomen ein grammatikalisches Geschlecht zuweist, gekennzeichnet durch die bestimmten Artikel, „der, die das“, oder die unbestimmten Artikel, „ein /eine“. Während diese Tatsache in sich selbst oftmals dazu führt, dass Nichtmuttersprachler sich damit schwer tun auf Deutsch zu schreiben und zu sprechen, stellt sie in der Regel keine Hürde für die Übersetzung zwischen Deutsch und Englisch dar.

Ein größeres Problem in der Übersetzung ist die Geschlechtskennzeichnung von Nomen wie zum Beispiel Berufungen.

Wir erwägen hier das folgende Beispiel: ein deutscher Report über eine klinische Studie enthält den Satz: „Eine Studentin aus Freiburg hatte leichte Symptome; ein Architekt aus Berlin zeigte stärkere Symptome auf.“

Die Endungen der Wörter „Studentin“ und „Architekt“ determinieren, dass es sich um eine Frau und einen Mann handelt. Der Übersetzer muss hier eine Entscheidung treffen.

Die elegantere Variante auf Englisch wäre ‘A student from Freiburg had mild symptoms; an architect from Berlin showed stronger symptoms’ – jedoch werden hier extra Informationen ausgelassen. An diesem Punkt muss der Übersetzer abwägen, ob das Geschlecht der Teilnehmer eine relevante Information darstellt, oder ob es trivial genug ist um in der Übersetzung verloren zu gehen. Im Falle der klinischen Studie würde der Übersetzer vermutlich entscheiden, dass das Geschlecht der Probanden wichtig sein könnte für darauffolgende medizinische Auswertungen.

Um sicherzustellen, dass alle Informationen enthalten sind, könnte der Übersetzer zu einer wortreicheren Variante greifen: A female student from Freiburg had mild symptoms; a male architect from Berlin showed stronger symptoms’ – welche stilistisch weniger elegant scheint, jedoch akkurater die Informationen wiedergibt.

 

2.       Unterschiedliche Sinnverwandtschaft

Direkte Synonyme sind in jeder Sprache selten – normalerweise gibt es zumindest eine Nuance in der Bedeutung der Wörter. Dieses Problem wird mit der Übersetzung intensiviert und der Kontext muss gründlich erwägt werden, damit sich für das passendste Wort entschieden wird. Dabei kommt es meist auf den Level an Spezifität des gewählten Wortes in der Zielsprache an

Beispiele:

Weniger spezifisch

Spezifischer

Sehen

 

View, look at, watch, behold, see

Der Platz

 

Space, court, position, location, place

Der Geist

 

Ghost, mind, spirit

 

 

To search

 

Suchen, forschen, fahnden

To behave

 

Sich benehmen, sich verhalten

Farmer

 

Landwirt, Bauer, Gutsherr

 

Sich für das passendste Wort zu entscheiden erfordert eine tiefgehende Evaluierung des Kontexts, sowie geschicktes Anwenden eines Wörterbuches, um Nuancen in Anwendungsgebieten und Bedeutungen aufzuklären.

 

3.       Konjunktiv I (indirekte Rede)

Ein grundlegender grammatikalischer Unterschied zwischen Deutsch und Englisch ist die Existenz des Konjunktiv I, welcher im Deutschen verwendet wird um indirekte Rede wiederzugeben.

Oftmals verwendet man im Deutschen umgangssprachlich stattdessen den Indikativ + ein Adverb oder Einleitungsfragment in die indirekte Rede, wie zum Beispiel „angeblich“ oder „Ihm zufolge“.

Beispiel:

Sie sagt, sie habe gut zugesehen.     →       Angeblich hat sie gut zugesehen.

Demnach erscheint die Verwendung des Konjunktives als eine bewusste Entscheidung des Verfassers, welche stilistische Möglichkeiten darbietet und im Englischen galant umgangen werden muss.

Der Konjunktiv I ermöglich andauernde indirekte Rede, ohne die Notwendigkeit durch Füllwörter klarzustellen, dass es sich noch immer um solche handelt.

Beispiel: „Herr Schneider zufolge sei die Wohnung in gutem Zustand. Er habe sie gründlich geputzt und sie sei außerdem auf weitere Mängel überprüft worden.“

Die Wörter „habe“ und „sei“ stehen im Konjunktiv I und ermöglichen ein Auslassen von weiterer Erläuterung, dass noch immer Rede wiedergegeben wird. Dies erlaubt eine nahtlose Wiedergabe der Rede und außerdem einen klaren Übergang zwischen Erzähler, welcher im Indikativ steht, und zitierten Sprecher, welcher durch den Konjunktiv I wiedergegeben wird.

Englisch verfügt nicht über diese grammatikalische Struktur. Es wird oftmals versucht das Problem durch ein Verwenden der Vergangenheitsform zu lösen, dennoch besteht in vielen Fällen die Notwendigkeit durch dedizierte Phrasen den Kontext genau zu erläutern, um zu verhindert, dass die indirekte Rede fälschlicherweise als Statement des Erzählers aufgenommen wird. Unser übersetzter Beispielsatz könnte demnach lauten:

‘According to Mr Schneider, the apartment is in good condition. He claims to have cleaned it thoroughly and assures that it had been checked for further defects.’

Die Fragmente „he claims“ und „assures” wurden vom Übersetzer hinzugefügt, um klarzustellen, dass es sich nicht unbedingt um Fakten handelt. Es ist wichtig für Übersetzer den Konjunktiv I immer zu beachten und zu versuchen seine Bedeutung in der Zielsprache zu vermitteln.

 

Es gibt noch viele weitere Differenzen zwischen Deutsch und Englisch, welche bei Übersetzungen erwägt werden müssen. Sie würden gerne mehr darüber lernen? Behalten Sie unseren Blog im Auge!

Daniel Jelis

Daniel Jelis

Head of Marketing


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