3 Dinge, die bei der Übersetzung zwischen Deutsch und Englisch zu beachten sind (Teil 2)

 1.      Doppelbedeutungen:

Manchmal können Wörter, die im Quelltext vorkommen mehrere mögliche Übersetzungen in der Zielsprache mit sich führen. Ein Beispiel hierfür ist das Deutsche Wort „schwer“, welches im Englischen zu sowohl „difficult“ als auch „heavy“ übersetzt werden könnte.

In der Regel ist es simpel dieses Problem zu lösen, indem man den Kontext erwägt:

„Die Tasche ist schwer.“ → „The bag is heavy.“

Wir wissen, dass die „Tasche“ ein materielles Objekt ist, welches nicht direkt „difficult“ sein kann; daher muss die Übersetzung natürlich „heavy“ lauten.

„Die Aufgabe ist schwer.“ → „The task is difficult.“

Die Aufgabe ist kein materielles Objekt und kann daher nicht „heavy“ sein; daher ist die korrekte Übersetzung „difficult“.

 

 

2.       Hyperonyme und Hyponyme:

Häufig haben Quellsprache und Zielsprache kein vollständiges Synonym, das von beiden Sprachen gemeinsam verwendet wird. Das nächste semantische Äquivalent kann in einer der Sprachen spezifischer sein als in der anderen.

Ein Beispiel dafür sind die deutschen Wörter „Ausgang“ und „Ausfahrt“, die beide ins Englische „exit“ übersetzt werden.

Der allgemeinere Ausdruck „exit“ ist ein Hyperonym. Die spezifischeren Wörter „Ausgang“ und „Ausfahrt“ sind Hyponyme.

Bei der Übersetzung dieser Wörter muss der Übersetzer je nach Kontext eine Auswahl treffen:

„They were looking for the exit of the parking garage.“ → „Sie suchten nach der Ausfahrt des Parkhauses.“

Hier würden wir „Ausfahrt“ übersetzen, da der Kontext impliziert, dass der „exit“ mit dem Auto zu nehmen ist. Um sicher zu gehen, müssten wir zudem den vorherigen Kontext berücksichtigen, um sicherzustellen, dass sie nicht gerade geparkt haben und zu Fuß den nächsten (Geh-)“exit“ suchen – dies ist nur im Beispielsatz nicht angegeben.

Ein anderes Beispiel:

„Where is the exit of the shopping centre?“ → „Wo ist der Ausgang des Einkaufszentrums?“

Hier ist klar, dass die Übersetzung „Ausgang“ lautet, was bedeutet, dass der „exit“ zu Fuß zu nehmen ist. Diese Übersetzung wäre immer korrekt, es sei denn, im vorherigen Kontext würde erklärt stehen, dass es sich bei dem genannten Einkaufszentrum um eine Art Drive-In-Mall handelt.

Bei der Übersetzung von Hyponym zu Hyperonym gehen immer einige Informationen bei der Übersetzung verloren. Der Übersetzer muss beurteilen, ob die verlorenen Informationen für die Leser von entscheidender Bedeutung sind: Wenn dies der Fall ist, können zusätzliche Informationen hinzugefügt werden. Andernfalls muss das nächstgelegene Synonym genügen – das Hyperonym.

 

 

3.       Anspielungsbedeutungen:

Anspielungsbedeutungen entstehen, wenn Teile des Texts auf eine Redewendung oder Sprichwort anspielen und somit konnotative Bedeutungen anstatt wörtlicher Bedeutungen entstehen. Dies kann insbesondere dann ein Problem sein, wenn in der Zielsprache keine ähnliche Redewendung existiert.

Ein Beispiel für eine anspielende Bedeutung wäre, wenn ein Text darauf hinweisen würde, dass „zu viele Köche in der Küche sind“, was auf das Sprichwort vom Verderben des Breis anspielt. Wir ignorieren hier die wörtliche Bedeutung und verstehen stattdessen, die implizierten Informationen, dass es in der beschriebenen Situation an Teamwork mangelt, was zu Chaos und negativen Ergebnissen führt.

Zum Glück gibt es in diesem Beispiel eine Englische Alternative: „too many cooks spoil the broth“. Somit könnte der Übersetzer die gleiche Formulierung in der Zielsprache verwenden und die Wirkung der anspielenden Bedeutung beibehalten.

Ein Problem mit anspielender Bedeutung ist, dass der Übersetzer sie zunächst erkennen muss – und realisieren, dass eine wörtliche Übersetzung hier verfehlt wäre. Ein weiteres Problem besteht darin, ein Äquivalent in der Zielsprache zu finden, entweder durch eine ähnliche Anspielung oder durch Kompensation anhand von Einbeziehung anderer Details, welche die konnotative Bedeutung widerspiegeln können.

Dies erfordert vom Übersetzer viel Kreativität – Transkreation.

Andreas Jacobi

Andreas Jacobi

CEO


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